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Bergfest im HATC

Bergfest im HATC
Moiben Road aus Fahrersicht - Content kann Jeff!

Auch in Iten scheint sich die Zeit nicht an Regeln zu halten und vergeht definitiv schneller als sie sollte. Es ist bereits Tag 5 nach meiner Ankunft und damit „Bergfest“. Zumindest war das in meiner Heimat, dem größten Dorf Niedersachsens (ist das immer noch so??), zur Abizeit immer ein Grund zu feiern - die Hälfte der Woche ist schon geschafft, das kleine Wochenende ab Donnerstag stand bevor. Hätte ich damals gewusst, dass „Je älter man wird, desto schneller vergeht die Zeit“ wirklich stimmt, hätte ich nicht jedem Freitag oder jeder Pausenglocke so entgegen gefiebert. Anyways, hier ist schon wieder einiges passiert und ich merke, dass von Alltag doch noch nicht die Rede sein kann.

Mythos Moiben Road

Die berühmte Moiben Road ergänzt die Region hier um eine weitere Laufstrecke, die besonders für Longruns oder Tresholds geeignete Route, ist nämlich geteert und flach. Die Definition von „flach“ ist dabei Auslegungssache, denn irgendwie habe ich auf meinen knapp 13 Kilometern auch wieder um die 100 Höhenmeter gesammelt. Aber es hat sich gelohnt und wird nicht der letzte Besuch gewesen sein.

Moiben Road

Wie läuft das ganze ab?

Die Moiben Road liegt rund 20-25 Minuten Fahrzeit vom HATC entfernt. Es muss also ein Auto her, wenn man seinen Lauf nicht zu einem Ultra machen will. Hier kommt Jeff ins Spiel. Millie kennt die Abläufe und organisiert für Lucy und mich die erste Abholung. Am Ende ist es aber ganz simpel: Eine Nachricht an Jeff mit Uhrzeit zur Abholung und es kann losgehen. Die Kosten liegen bei 4.000 Schilling also rund 26 Euro in Summe. Wir haben uns für 9 Uhr verabredet und treffen Jeff direkt vorm HATC. Mit einem breiten Grinsen begrüßt er uns und fragt, wo auf der Moiben Road wir aussteigen wollen. Eigentlich ganz simpel aber jeder Läufer weiß, die Strecke muss abgestimmt sein. Laufen wir alle alles in eine Richtung? Drehen wir bei der Hälfte um? Wo sammelt er uns ein?

Auch hier hatten wir wieder unseren Joker Millie und so stand der Plan ziemlich schnell fest. Lucy, Klara und ich starten den Girlstrip gemeinsam und sind gespannt, was uns erwartet. Klara hatte sich spontan angeschlossen und auf der Autofahrt erzählt, dass ihr großer Traum auch die Olympiateilnahme in Los Angeles ist. Nachdem sie schon zwei Spiele auf der Mitteldistanz 5.000 & 10.000 Meter mitgemacht hat, geht sie neue Ziele an. Ich freue mich jetzt schon 2028 mit Popcorn vom TV zu sitzen und Lucy, Klara und Millie anzufeuern - Fingers crossed, Girls!!

Unser Taxi zur Moiben Road

Nach sechs Kilometern Autofahrt auf der Moiben Road steigen wir aus und laufen zwei Kilometer gemeinsames warm up in eine Richtung, bis wir umkehren und jeder in seine Einheit einsteigt. Es kribbelt mir in den Füßen und ich würde am liebsten auch richtig loslegen, aber mein Puls ist nach dem gemeinsamen Start schon wieder höher als gewünscht. Grrr. Ich laufe einfach weiter, blende es aus und höre auf mein Gefühl. Ein Tempolauf im 5er Pace ist doch mal was Neues, auch wenn es sich ganz und gar nicht danach anfühlt. Zwischen Gefühl und Uhr liegen also immer noch Welten - Willkommen in der Realität auf 2.400 Metern.

Wir bleiben noch in Party Puls…

Unsere Sachen (bspw. Trinkflasche & Handtuch) können wir bei Jeff im Auto lassen, der an dem Punkt, wo wir ausgestiegen sind wartet, bis wir wieder vorbei laufen. Ab dann folgt er uns nach und nach, macht Fotos und wird zum Content Creator, bis er uns am Ende der Straße wieder einsammelt.

Warum up Kilometer mit Lucy und Klara

Normalerweise ist die Moiben Road stark frequentiert von Läufern aus aller Welt, aber wir treffen tatsächlich nur zwei „Leidensgenossen“, die gegen die Sonne und Wind anlaufen. Jeff meint, dass besonders Samstag die Rush Hour sei. Die Rückfahrt ist kurzweilig und wir sprechen über Olympia, Marathons und die Unberechenbarkeit der 42,195 Kilometer.

Tipp: Wenn du die Moiben Road mit dem Auto weiter reinfährst aus Richtung Iten und dann zurück läufst, hast du meistens Rückenwind und die schönere Aussicht. In der Ferne kannst du mit etwas Glück sogar Giraffen sehen. Leider habe ich heute keinen Langhals erspähen können und hoffe, dass ich ohne Brille überhaupt dazu in der Lage sein werde.

Cool down: Done & Dusty

Zurück im Camp

Es ist schon fast Mittag, als wir zurück sind und nach der Dusche lese ich noch am Pool, bis es Mittagessen gibt. Neue Gesichter sind angekommen und die Gemeinschaft wächst jeden Tag, so auch die Anzahl der Tische an die man sich ohne Überwindung setzen kann ;)

Das Beste: Es gibt Mango! Ein Campgefährte hat Mango besorgt und in der Küche schneiden lassen. Nachdem ich das wusste, stand für mich fest: Ich besorge mehr Mango. Die Obstauswahl ist hier sonst auf Bananen, Wassermelonen und Ananas „beschränkt“, was ja an sich völlig ausreichend ist, aber einer süßen Mango als Abwechslung nicht entgegensteht. Außerdem wollte ich sowieso mal das Erlebnis „Supermarkt“ angehen.

Ein besonderer Shoppingbummel

Ich mache mich am späten Nachmittag auf den Weg in das Zentrum von Iten. Es sind ca. 10-15 Minuten Fußweg und die Sonne scheint unerbittlich auf die roten Wege. Hoffentlich hält die Sonnencreme durch…Ich passiere verschiedene Geschäfte in kleinen Wellblechhütten und Obststände. Wo soll hier ein Supermarkt sein? Nach gut einem Kilometer komme ich an der Postbank vorbei, die als Wegpunkt von Lucy genannt wurde, also muss ich noch richtig sein. Wo sollte ich auch falsch abbiegen, wenn es nur eine Hauptstraße gibt, aber ohne Ansgar weiß man ja nie, wo ich am Ende rauskomme.

Kurz darauf sehe ich den Laden. Es hat sich falsch angefühlt Fotos zu machen aber mit einem Supermarkt hat es wenig gemeinsam. Ich würde es eher als kleine Lagerhalle bezeichnen. Es gibt keine „Abteilungen“ mit Obst oder Kühlschränken, sondern nur Hochregale mit allerlei durcheinander gewürfelten Sachen. Nach kurzer Orientierung erkenne ich schon ein gewisses System und stöbere mich durch die wenigen Quadratmeter. Ganz dankbar ist, dass die Lebensmittel mit Preisen beschriftet sind. In Eldoret, wo ich gelandet bin, gibt es auch größere Supermärkte und Läden allerdings ist es ja genau das, was meine Zeit hier auszeichnet: Weniger ist mehr. Ich glaube den nächsten Besuch in meinem heimischen Rewe Markt werde ich anders zu schätzen wissen, oder vielmehr doch teilweise hinterfragen?

Am Ende besteht meine Einkaufstasche aus Cashews, Zimt und Kokosnussgranola Keksen. Mangos kaufe ich am Obststand an der Straße. Der Einkauf kostet mich ca. 8 Euro, wobei eine Mango umgerechnet einfach nur 20 Cent kostet. 20 CENT!!

Mango Mission erfolgreich abgeschlossen

Ich schlendere zurück und komme gerade pünktlich zur nächsten Kenyan Core Class an. Dann spult sich das Programm wieder ab: Duschen, Nachrichten beantworten, Lernen, Abendessen, Schlafen.

TIPP: Essensfächer! Schon kurz nach meiner Ankunft habe ich die Regalreihe (Kalax-Erinnerungen kommen auf) gesehen und mich gefragt, wozu die da ist. Jedes Zimmer hat ein eigenes Fach im Speisesaal und es gibt einen Gemeinschaftskühlschrank, den man nutzen kann. Wer schon öfters hier war weiß also, was mit in den Koffer muss. Zimt, verschiedene Samen, Nüsse, Brot und co sind quasi Standard in den belegten Fächern. Aber nicht nur das: Ich habe sogar schon Sandwichtoaster gesehen oder ganze Wagenladungen an importierten, asiatischen 5-Minuten Terrinen. Essen ist eben so individuell wie Wettkampfverpflegung.

Die Essensfächer im Speisesaal. Jeder ist doch irgendwie ein Monk?!

Ich habe immerhin Elektrolyte, Riegel und Proteinpulver aus Deutschland mitgebracht. Ansonsten gibt es auch einen Sports Nutritionsshop, hier wollte ich die kommenden Tage nochmal das Sortiment und Preise checken.

Fazit: Ich hatte noch 7kg frei im Koffer, da Sportsachen echt nichts wiegen und werde beim nächsten Besuch sicher ein paar mehr „Luxusartikel“ einstecken, oder eben auch bewusst zuhause lassen?

Für Kaffeetrinker: Viele haben eigene kleine to Go Maschinen und Kaffee dabei, da der vom Camp wohl wenig mit damit zu tun hat;)

Bevor ich es heute etwas ruhiger angehen lasse und Spazieren und Gym auf dem Plan stehen, freue ich mich jetzt auf Porridge mit ZIMT!

Bussi & Baba,

Delia